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Das Gleichnis vom Paletten-Doktorfisch oder die Theologie von Findet Dorie

In art, either as creators or participators, we are helped to remember some of the glorious things we have forgotten, and some of the terrible things we were asked to endure.
— Madeleine L'Engle, Walking on Water: Reflections on Faith and Art

ACHTUNG! MEGA SPOILER ALERT! Wenn du den Film „Findet Dorie“ noch nicht gesehen hast, dann lies diesen Artikel am Besten erst nach deinem Kinobesuch :) 

Das Reich der Himmel gleicht vielleicht einem kleinen Baby Paletten-Doktorfisch, der an Gedächtnisschwund leidet. Aufblitzende Erinnerungsfetzen lassen ihn ahnen, dass er irgendwo her kommt und dass es da jemanden gibt, der ihn liebt und zu dem er einmal gehörte. So meint er sich zu erinnern, das jemand für ihn eine Spur aus Muscheln gelegt habe, die ihm den Heimweg weißen soll. Aber das sind nur kurze Momente, die schleunigst vom turbulenten Alltags Sog wieder abgelöst werden. Trotzdem halten sich diese Mosaikstücke von vergangenen Tagen so hartnäckig, dass der mittlerweile erwachsen gewordene Paletten-Doktorfisch beschließt sich auf die Suche nach dem Ursprung derselben zu machen. Er ahnt etwas. Glaubt etwas zu wissen. Aber sicher ist er sich seiner Sache keineswegs. 

Die Reise des kleines Fischs gleicht einer wahren Odysee. Unzählige Irrwege, verpasste Gelegenheiten, häufig enttäuschte Hoffnung und ein ziel, das sich als falsch herausstellt. Am Ende bietet sich ihm bzw. ihr unverhofft ein ergreifendes Bild. Denn wohin ihre großen Augen auch blicken, nach jeder erdenklichen Richtung sind Muschelspuren gelegt, die ihr den Heimweg zweigen sollen. Ihre Eltern haben sie in all der Zeit mühevoll gelegt, um egal, wo sie sich befindet den Weg zu ihnen zurück zu zeigen. Wo sie hin gehört. Nach Hause. Zu der Familie, die sie liebt. 

Vermutlich ist das alles ganz schön konstruiert und ziemlich weit hergeholt. Eigentlich mag ich es selbst auch gar nicht, wenn man mit Gewalt Kinofilme für Predigtillustrationen zurecht biegt (Man denke nur an all die mehr oder weniger kreativen Matrix und Braveheart Gottesdienste). Aber ich bin ein großer Fan von der Art und Weise wie Pixar Geschichten erzählt. Und von Detailverliebtheit. Nicht zuletzt, weil ich vor ein paar Monaten das großartige Buch von Pixar Gründer Ed Catmull über Storytelling und Kreativität gelesen habe. Jedenfalls kamen mir die oben stehenden Gedanken, als ich im Kino saß. Ich fand dieses Bild spannend, auf das die Geschichte immer wieder hinteasert und in dem sich alles dann auflöst: Dieses Bild, als die Kamera rauszoomt und uns mit Dorie zeigt, dass ihre Eltern nach allen Richtungen Muschelspuren gelegt haben, damit sie nach Hause kommen kann. 

Ich hab das irgendwie in meinem Leben und Glauben ähnlich erlebt. Dass ich oft so kleine Schritte mache. Von einer kleinen Muschel zur nächsten kleinen Muschel. Dann manchmal auch wieder vergesse, warum ich eigentlich den Muscheln folge und mir ganz schön albern dabei vorkomme. 

You’ll never stumble upon the unexpected if you stick only to the familiar.
— Ed Catmull, Creativity, Inc.: Overcoming the Unseen Forces That Stand in the Way of True Inspiration

Und ich finde den Gedanken schön, dass Gott nach allen möglichen Richtungen Spuren gelegt hat, die mich zu ihm führen, wenn ich ihnen folge. So finde ich persönlich Spuren von Gott eben nicht nur in irgendwelchen Gottesdiensten, sondern immer öfter in Kunst, in Musk, in Geschichten, in Freundschaft, in Begegnungen, an unerwartet Stellen, in Menschen, die vermutlich keine Ahnung haben, dass sie mir grade in dem Moment etwas über Gott beigebracht haben. 

Jesus was not a theologian. He was God who told stories.
— Madeleine L'Engle, Walking on Water: Reflections on Faith and Art

Ich mag den Gedanken, dass Gott viel mehr solcher Muschelspuren gelegt hat, als ich mir jemals vorstellen kann. Und es ist nicht an mir zu bewerten, wie diese Spuren aussehen, oder wer darauf entlang schwimmt. Oder wie. Ich schwimm nur von einer Muschel zur nächsten und freue mich, dass jemand sich so liebevoll drum kümmert, dass ich auf dem Heimweg sein darf. 

The journey homewards. Coming home. That’s what it’s all about. The journey to the coming of the Kingdom. The purpose of the work, be it story or music or painting, is to further the coming of the kingdom, to make us aware of our status as children of God, and to turn our feet toward home.
— Madeleine L'Engle, Walking on Water: Reflections on Faith and Art

PS. Die beiden Bücher, aus denen ich zitiert habe sind übrigens 

Walking on Water: Reflections on Faith and Art von Madeleine L'engle 

und 

Kreativitäts-AG: Wie man die unsichtbaren Kräfte überwindet, die echter Inspuration im Wege stehen von Ed Catmull

und sind beide absolut empfehlenswert, wenn ihr gute Bücher zum Thema Kunst und Kreativität sucht.