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Prädikat besonders wertvoll

Wer meine Poetry Sachen in den letzten Jahren ein bisschen verfolgt hat, dem ist vermutlich nicht entgangen, dass Themen wie Gerechtigkeit und Menschenwürde immer wieder durchscheinen. Zum Beispiel meine Stücke "Unsichtbar" und "Wie weiss Weiss ist" sind in zusammenarbeit mit dem Justice Project in Karlsruhe entstanden. Ein Projekt, das sich gegen Zwangsprostution einsetzt. 

Auch Projekte, wie "Stimmgeber" oder "Die Stimme erheben" waren und sind mir ein großes Anliegen. Ich erlebe das als eine echte Bereicherung, wenn ich als Künstler an solchen Projekten mitarbeiten kann, die wirklich einen Unterscheid machen im Leben von Menschen. Auf die eine oder andere Weiße.  

Eine Gruppe, die eine tolle Arbeit macht solche und ähnliche Anliegen in die Gemeinden und Kirchen zu transportieren (und daran erinnert, dass Liebe durchaus auch politisch ist), ist die Micha Initiative. Ich bin direkt vor ein paar Stunden aus Dresden zurück gekommen, wo ich bei einem Event der lokalen Micha Gruppe ein paar Texte zum Besten geben durfte. Vieles an dieser Arbeit begeistert mich und darum möchte ich gerne folgendes mit euch teilen: 

Diese Woche findet eine deutschlandweite Aktionswoche der Micha Initiative statt. Es geht um Menschen. Und um Würde. Um menschenwürdiges Leben. Ich habe zu diesem Anlass einen Text für die Aktionswoche geschrieben. Den könnt ihr hier lesen und hören: 

Ich würde eigentlich lieber proklamieren, 

über Würde brauchen wir im Grunde nicht mehr zu diskutieren. 

Drops Mic

Case Closed

 

Ich meine, das ist doch jedem klar, oder? 

Sind wir nicht einen extrem weiten Weg gekommen? 

Ja, klar, natürlich gab es Zeiten, wo vieles im Argen lag. 

Aber heute sind wir so eine fortschrittliche, aufgeklärte, verantwortungsvolle Gesellschaft. 

Und ist die Menschenwürde nicht sogar verankert im ersten Paragraph unseres Grundgesetzes? Also worüber würden wir denn reden, wenn wir über Würde reden würden? 

Sind wir nicht alle gleich? 

Was genau ist Menschlichkeit? 

Was heißt es denn, ein Mensch zu sein? 

Sind wir nicht alle gleich? 

Und sollte das JA auf diese Frage nicht endlich selbstverständlich sein? 

Sind wir nicht alle gleich? 

Und definiert uns dennoch oft nicht Unterschiedlichkeit? 

Sind wir nicht alle gleich?

Und ist der Verweis, dass das ja nun mal menschlich sei 

in Wahrheit keine Ausrede für Egoismus, sondern ein Statement, dass zur Nächstenliebe verpflichtet, die nicht davor halt macht, wenn diese Liebe auch für vermeintliche Feinde gilt. 

Sind wir nicht alle gleich

wertvoll?

gleich wertig?

leichtfertig - lose Vokabeln in festgehaltenen Formulierungen von großen Idealen. 

Die Würde des Menschen IST unantastbar. 

Aber müsste es nicht eher heißen, die Würde des Menschen sollte unantastbar sein? 

Denn wie oft machen Menschen andere Menschen grundlos klein, treten Würde fest mit Füßen und greifen mit ungewaschenen Händen nach dem, was eigentlich unantastbar scheint. 

Und ich schließ mich sicherheitshalber selbst mit ein. 

Denn ist nicht der Anfang vom Ende oft auf andere Menschen mit dem Finger zu zeigen? 

Und ich mein, 

wir, die Menschen unterwegs, die Gruppe mit dem Kreuz, waren und sind davon auch ganz sicher nicht frei. 

Wieviel Leid, selbst Sklaverei, haben wir von Gott gewollt genannt mit der Bibel in der Hand?! 

Warum teilen wir nicht, was uns begeistert?
sondern teilen bisweilen unter Zuhilfenahme von kleinkarierten Details in schäbige Schubladen ein: 

in schwarz und weiß,
in Freund und Feind,
in wir und die,
in drinnen und draußen,
in die, die richtig, sprich wie ich, glauben und ungläubig, 

in Weiß oder bunthäutig.
Dumme Dogmatik durchdenken
macht mit nem Funken Vernunft deutlich, dass das so nicht geht. 

Und steht
dein Glaube dir im Weg
Menschen zu lieben,
vor allem dann, wenn sie komplett verschieden, denken, sind, handeln, leben, oder gar lieben
als du –
scheint mir das wohl
nicht als ein Weg, der zu gehen sich lohnt. 

 

Und heißt Würde nicht auch, dass ein Mensch nicht einen Menschen seiner Würde beraubt? 

Aber kommt nicht genau das vor, wenn der Mensch seinen kostbaren Komfort auf das Fehlen desselben bei dem anderen Menschen aufbaut? 

 

Was wenn der Großteil des Wohlstands nur darauf basiert, 

dass der, der ihn für mich produziert, 

ihn aber am Ende selbst gar nicht sieht. 

Die Würde des Menschen ist unantastbar?  

Sag das mal dem Profit, 

der Schlafmasken verteilt bis keiner mehr irgendwas sieht.  

Drückt davor noch mal bei dem Lied auf Repeat, 

damit der Tanz ums gold glänzende Kalb bloß nicht versiegt. 

Und das ist ja nicht mal Kritik, 

weil ich inmitten dieses Systems so sehr selbst davon profitier, 

dass mir jedwede Objektivität abhanden kommt 

und meine potenziell anprangernde Poesie zu Heuchelei und Entertainment zusammenschrumpft. 

 

Wen mein ich, wenn ich sage UNS? 

Menschenwürde ist nicht exklusiv- beschränkt auf ein bestimmtes Kollektiv. 

Menschenwürde beschränkt sich nicht auf Menschen inmitten von bestimmten Grenzen.

Menschen handeln mit Menschen. 

Ist der Satz allein nicht schon teuflisch?

Und trotz dieser Transaktionen

bleibt die Würde unverkäuflich.

 

Aber was weiss ich schon?
Ist es nicht vermessen zu denken, dass ich alles genau weiss,
wenn doch das einzige, das ich genau weiss ist, dass ich fast nichts genau weiss. 

Wie könnt ich meinen,
das, was ich glaube zu denken,
müsste für jeden hier der Standard sein? 

Ein Mensch ist ein Mensch! Überall und immer!
Ebenbilder des größten Künstlers. 

IMAGO DEI

POEIMA

Porträts aus einem Wohnzimmer! 

Sorry für die Fremdwörter, aber lehrt das nicht Liebe? 

Fördert und fordert das nicht Verbundenheit?
Hindert das nicht Hass?
Wenn du die Reflektion des Höchsten im Gesicht des anderen gesehen hast? 

Und wenn wir wirklich ALLE Ebenbilder des Schöpfers sind, 

was sagt das dann überhaupt über diesen Schöpfer aus? 

Bedingt das Wissen um das eigene Nichtwissen
nicht automatisch den Gedanken gnädig sein zu müssen? 

Empfange Gnade von denen, die Gefangene waren generiert die Grundlage einander zu lieben,
ohne dass wir dazu einen Grund haben.
Bis wir begreifen, dass wir dazu allen Grund haben. 

 

Mehr Infos zur Aktionswoche und zur Arbeit der Micha Initiative findet ihr unter http://www.micha-initiative.de

Der Text basiert übrigens auf dem Stück 13/11/15, das auch auf dem neuen Hörbuch "Heute ist morgen schon gestern" zu hören ist.