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Von guten Vorsätzen, Stephen King und fiktiven Roadtrips

Das ist ja immer so eine Sache mit den guten Vorsätzen zum Jahresende bzw. Neujahrsanfang. An die meisten halte ich mich schon nach ein paar Tagen nicht mehr (das mit dem regelmäßig Joggen zum Beispiel). Naja aber ab nächstes Jahr dann :) 

Ein Vorsatz hat aber bisher recht gut funktioniert. Ich hatte mir vorgenommen, mir in diesem Jahr wieder mehr Zeit zum Lesen frei zu räumen. 

Ich habe des öfteren ja schon auf Stephen Kings Buch „Das Leben und das Schreiben" hingewiesen. Dort schreibt er u.a. über das Lesen: 

Lesen ist das Kreativzentrum im Leben eines Schreibers. Ich habe immer und überall ein Buch dabei und finde immer wieder Gelegenheit, meine Nase hineinzustecken. Lesen macht Spaß. Ich würde sogar behaupten, dass Ihre Lebensqualität und die Qualität des Schreibens deutlich verbessert werden, wenn Sie die endlos quasselnde Kiste ausschalten. Je mehr Sie lesen, desto weniger werden Sie sich mit Ihrem Stift oder Computer zum Narren machen.
— Stephen King - Das Leben und das Schreiben

Darum möchte ich Euch gerne an dieser Stelle auch ab und zu mit hineinnehmen in das eine oder andere literarische Werk, das mich in der letzten Zeit begeistert hat. 

Ein solches hat Priscilla Bucher im September veröffentlicht. Und ich gebe zu, dass ich da nicht ganz neutral an die Sache rangehe, weil ich sie schon vorher kannte und ihr „Blickwürdig“ Projekt ziemlich großartig fand. Ich hatte sogar die Ehre vorab schon eine kleine Leseprobe in die Finger zu bekommen und war deshalb ganz gespannt, wie der Rest des Romans wohl sein würde. 

Die Rede ist von „KRIEGE SIND HALT KACKE

Was passiert, wenn man vier völlig unterschiedliche Charaktere auf engstem Raum (sprich einem geklauten Sanitätswagen) zusammen einsperrt und diese dann mit Wucht aufeinander knallen lässt? Genau das passiert nämlich während des Roadtrips, den Olga, Tim, Claudia und Max mehr oder weniger freiwillig miteinander unternehmen. Alle laufen vor irgendwas weg. Alle irgendwie auch vor sich selbst. Mit Dialogen, die abwechselnd urkomisch, absurd und zu Tränen rühren, schließt man die vier schnell ins Herz.Auch wenn man eigentlich nicht so recht weiß, was man mit ihnen anfangen soll. 

Am Anfang habe ich mich noch beim Lesen gefragt, was das eigentlich alles mit dem Titel „Kriege sind halt kacke“ zu tun haben soll. Aber nach und nach erfährt man durch das Hören der Nachrichten, durch Aufzeichnungen in einem gefundenen Notizbuch und immer mehr auch am eigenen Leib (bzw. dem der vier Hauptfiguren), dass das mit dem Krieg durchaus nicht metaphorisch gemeint ist. Priscilla zeichnet ein fiktives zukünftiges Europa, dass aber erschreckenderweiße nur allzu vorstellbar scheint.

Hat mich übrigens ein bisschen an diesen Track vom neuen Album der ebenso großartigen Kate Tempest erinnert (dazu sicher auch demnächst nochmal mehr):

Großartig an dem Buch ist auch, dass die Geschichte abwechselnd aus den vier unterschiedlichen Perspektiven der Protagonisten erzählt wird. So wird nicht nur die Geschichte als solche voran getrieben, sondern auch den vier einzelnen kleinen Geschichten viel Raum gegeben. Und wird so nahezu zu einem Appell zuzuhören und hinzusehen. Dass auch der Typ, den man auf den ersten Blick für ein absolutes Arschloch hält, eine Geschichte, einen Hintergrund hat z.B. Die zwar sein Arschlochsein nicht rechtfertigt, aber vielleicht dennoch ein wenig Verständnis und Empathie erzeugt. 

Überhaupt empfinde ich den Roman als ein durchaus durchgeknalltes, schrilles und trotzdem berührendes und poetisch schönes Plädoyer für Empathie. Aber gleichzeitig auch fast so etwas wie ne Warnung, wie ein Europa aussehen kann, wenn wir uns von Angst und Hass, anstatt von Liebe und Mitgefühl leiten lassen. 

Wie ich also nicht verheimlichen kann - ich mag diesen Roman sehr und empfehle ihn wärmstens. 

Auf dem Blog und der Facebook Seite findet ihr übrigens noch mehr Videos und Infos rum um den Roman, die Entstehung, den Kreativprozess.......