google-site-verification: google1c0678f2c6cc3374.html

Lass sie Chaos...ähh...Liebe fressen

Manchmal fragen Leute, welche Künstler mich inspirieren, oder wen ich als Vorbild bezeichnen würde? Oft habe ich auch schon von Künstler Freunden gehört, dass sie überhaupt keine Künstler gut finden, die ansatzweise aus der selben Richtung oder dem selben Genre kommen, wie sie selbst. 

Das verstehe ich nur bedingt. Wenns um Spoken Word geht, gab und gibt es definitiv einige Künstler, die mich sehr prägen und inspirieren. Die möglicherweise auch mit ein Grund dafür sind, dass ich selbst Bock drauf hatte, mich in dieser Weise mal auszuprobieren. 

Aktuell sind das für mich auf jeden Fall u.a. Propaganda, Levi the Poet, Andrea Gibson und neuerdings auch die britische Poetin, Rapperin und Roman Autorin Kate Tempest

Ihr neues Album sieht auf den ersten Blick nicht unbedingt so aus, als ob es sich zum gemütlichen Durchhören eignet.

Es führt in die Innenwelten von gleich sieben verschiedenen Nachbarn in einer Straße Londons. Sie kennen einander nicht. Haben nicht wirklich etwas gemeinsam. Was sie aber eint, ist die Tatsache, dass sie alle um 4:18 Uhr morgens wach sind und nicht schlafen können. Alle hängen unterschiedlichen Gedanken, Sorgen und Ängsten nach. 

In diesen Geschichten spiegeln sich die Einsamkeit, das Versagen, die Ängste und Sehnsüchte von so vielen von uns. Geschichten, die vor die Wand fahren, oder auf dem besten Weg dahin sind, aber nicht mehr wissen, wo die Bremse ist. 

Und trotzdem sind diese Geschichten irgendwie eingerahmt in Hoffnung und in Liebe. 

Der dazugehörige Gedichtband beginnt überraschenderweise sogar mit einem Bibelzitat aus 1. Johannes 4,18-19: 

Furcht ist nicht in der Liebe, sondern die vollkommene Liebe treibt die Furcht aus; denn die Furcht rechnet mit Strafe. Wer sich aber fürchtet, der ist nicht vollkommen in der Liebe. Lasst uns lieben, denn er hat uns zuerst geliebt.

Das Album mit dem apokalyptischen Cover und dem unheilschwangeren Titel „Let them eat Chaos“ endet dann überraschenderweise weniger düster, sondern vielmehr mit dem Satz: 

Screaming at my loved ones
to wake up and love more.
Pleading with my loved ones
to wake up and love more.

Und ja natürlich klingt das kitschig und klein und abgenutzt. Vielleicht aber auch nur, weil sich meine Ohren so sehr an den zynischen Tonfall gewohnt haben, mit dem heutzutage so gerne über Liebe gesprochen zu werden scheint. Und trotzdem scheint mir das auch am Ende des Tages immer noch der einzige Weg zu sein, der wirklich etwas zum Guten verändert: Liebe empfangen und Liebe verschenken. 

Und darum hier ein kleines Liebesgedicht, das ich mal für die Zeitschrift STEPS geschrieben habe: 

Einfach ein Liebesgedicht

Wenn aus Rebellen Königkinder werden.
Angst lebendiger Hoffnung weicht,
die sich nicht fürchtet vor dem Sterben.

Wenn sich Schönheit aus Asche erhebt,
und Heilung aus Zerbruch und zertrümmerten Scherben.

Wenn wir
Liebe leben,
Hoffnung hoch halten,
Gerechtigkeit generieren,
Barmherzigkeit begeistert bejahen,
Frieden für Verletzte favorisieren,
Versöhnung versuchen,
Helfende Hände heben zu denen, die stolpern und fallen
und am Rande des Weges gehen und stehen.

Wenn Empfänger zu Weitergebern werden.
Hörer sich zu Tätern transformieren.
Wenn Beschenkte nicht anders können als selbst Geschenke zu machen.

Wenn Geliebte Geschöpfe großzügige Geber von guten Gaben werden.
Ist es nicht dann nicht tatsächlich so,

dass sein Reich,
was auch immer das heißt,
entsteht, wo auch immer jemand ihn von Herzen
und seinen Nachbarn wie sich selbst liebt?

Wo der Fürst des Friedens regiert?
Wo seine Liebe sichtbar wird?

Wo erlebte Gnade zu Barmherzigkeit wird?
Wo Gerechtigkeit und Frieden sich küssen?

Ok konkret:
Ich glaube,
wer Liebe erlebt,
sieht wie aus Gleichgültigkeit Erbarmen entsteht.

Wer Liebe erlebt,
erlebt auch, dass diese Liebe zum lieben bewegt.