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Am Anfang war das Wort Teil 3

Wähle deine Worte mit Bedacht.
Bedenke stets der Worte Macht.
— Wolfgang Lörzer

WORTE

Ich schreibe Worte aufs Blatt. 
Zeichen aufs Papier. 
Kreiere, komponiere Wortmelodien, 
die ich später verbalisiere.  
Und alles, was ich notiere,
ist sowas wie mein „ich war hier“ Tagg, 
das ich auf freie Flächen schmiere. 
 
Zeichen, denen wir antrainierte Bedeutung beimessen
und dennoch mit perfidem Potenzial Personen zu verletzten. 
Aneinandergereihte Zeichenketten, 
transformiert zu Wörtern und zusammengesammelt zu Sätzen. 
Und wir setzen viel zu oft voraus: 
So wie ich das sage, verstehst du das auch. 
Und wundere mich, dass dein wundervolles ich, sich hinter Fassaden verkriecht, Palisaden errichtet, die keins meiner am besten gemeinten Worte wieder durchbricht.  
Und kein Licht
Sickert dann durch den Schlitz unter der Tür zu dir. 
Alle Hohlräume abgedichtet.
 
Schreie laut in Gebärdensprache, 
dass ich Beschwerden habe, 
aber offenbar ist keiner da, 
der die Zeichen richtig deutet. 
 
Ich hab Ordner voller Worte, 
die du einmal gesagt hast. 
Dutzende Definitions-Duden, die deinen Subtext entknoten. 
Wüsstest du nur wie es wär, 
zwischen deinen wohlgemeinten Worten zu sitzen
und trotzdem nicht weiter zu wissen. 
Wüsstest du nur, 
dass Spott kein Verfallsdatum hat und sogar Wurzeln schlägt, wenn man nur genug Keime ausgesät. 
Und wüsstest du nur, 
dass jedes gut gemeinte Kompliment, sich verglichen damit nicht allzu lange hält. 
 
Und manchmal gehen sie mirauch aus. 
Bleiben mir im Hals stecken. 
Vielleicht weil Traurigkeit mitunter so groß ist, dass jeder Versuch eines Tröstungswortes ihr nur zum Spott gereichen würde. 
Und vielleicht gibt es deshalb Musik, weil auch Freude manchmal so groß scheint, dass selbst der Poesie die Sprache versiegt und jeder Vergleich mickrig erscheint für das, was ich eigentlich sagen will. 
Und ich kann keins davon zurück nehmen und einfach wieder löschen. 
Erschreckend wie endgültig das klingt. 
Ich bin ein Mann, der zu der Annahme kam, dass durch das Wort des größten Künstlers irgendwann dann Leben kam. 
Immer balancierend zwischen überzeugtem Glauben und zweifelnder Angst, 
dass ich mich vertue und Hoffnung nicht lebendig sein kann 
und es nichts weiter gibt, dass wahrhaftig tröstlich ist. 
Vielleicht bleiben am Ende auch nur ein Blatt und ein Stift, auf dem ich das schreibe für dich. Und indem wir so Gedanken tauschen, pflanzt du für mich ein kleines bisschen Zuversicht. 
Darum lasst uns Worte weise wählen. 
Weil sie mächtig sind zu bauen und Macht haben zu stehlen. 
Weil sie Leben spenden und jede Hoffnung rauben können. 
Weil sie neuen Mut verleihen und Lebensmut vernichten können. 
Weil sie Liebe Sprache geben und doch den anderen richten können. 
Darum lasst uns unsere Worte weise wählen. 
Denn mächtig sind die Worte derer, 
die mit ihrem Leben Geschichten wörterlos erzählen. 

 

Der Text ist Teil des zweiten Stimmgeber Hefts. Ein absolutes Herzensprojekt von mir. Mehr zum Projekt, könnt ihr auf www.stimmgeber.de erfahren und die Stimmgeber Texte gibts zum Lesen und Anhören im Shop von Lektora

Und hier kommt noch mein Soundtrack der Woche.