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Von offenen Türen und neuen Augen

Vor einigen Monaten bekam ich die Anfrage, beim Jugendtag von Open Doors zu performen und dafür einen Text zu schreiben, der sich mit dem Thema der verfolgten Kirche auseinandersetzt. Aus verschiedenen Gründen ist mir das recht schwer gefallen. Zum einen, weil es ein Thema war, das ich grade nicht als Priorität auf dem Schirm hatte und zum anderen, weil ich es super schwierig fand mir anzumaßen aus meiner westlich, privilegierten Situation heraus etwas über dieses Thema zu sagen. 

Wie kann das überhaupt gelingen? Ich habe im Vorfeld dann viel recherchiert und ganz viele Geschichten von Menschen gelesen, die wegen ihres christlichen Glaubens benachteiligt, diskriminiert und verfolgt wurden. Diesen Ansatz fand ich wichtig. Nicht groß den Zeigefinger zu schwingen, auch wenn wir natürlich viel zu wenig an diese Menschen denken, nicht künstlich Betroffenheit zu kreieren, obwohl diese Geschichten natürlich mehr als betroffen machen. Sondern einfach die Geschichten erzählen. Das habe ich versucht. 

Dieses Prinzip zieht sich schon länger durch meine Arbeit. Das wird mir eigentlich jetzt erst  wirklich bewusst, während ich das so reflektiere. Menschen eine Stimme zu geben, deren Stimme nicht oder nicht laut genug gehört wird. Ich stehe ständig auf großen und kleinen Bühnen und kann ihnen darum durchaus für ein paar Minuten meine Stimme leihen. Ähnliches passiert z.B. bei den Stimmgeber Projekten, bei dem Künstlerkollektiv „Die Stimme erheben“, der wundervollen, inspirirenden Arbeit von ARTHELPS, oder bei meinen Texten zum Thema Menschenhandel in Kooperation mit „The Justice Project.“ 

Meine Stimme verleihen. Ein Stimmgeber sein. Das möchte ich zumindest. Und darum habe ich mich auch auf dieses Abenteuer mit Open Doors eingelassen. Aus dieser ersten Zusammenarbeit ist mittlerweile die Idee entstanden, das Ganze noch auszuweiten und als sogenannter Ermutigungsbotschafter mit Open Doors demnächst nach Indien zu reisen. Wieder denke ich, was hab ich schon groß zu geben und zu erzählen? Ich komme aus nem Land, in dem ich Religions-, Presse,- und Meinungsfreiheit genieße. Und wieder denke ich, geht es am Ende mehr darum, einfach da zu sein und zuzuhören, wenn mir diese Menschen ihre Geschichten erzählen, die so ganz anders sind, als meine eigene, aber die ich dennoch erzählen werde, weil sie gehört werden müssen. 

Worship and Justice go hand in hand.
— David Crowder

Das Stück „Neue Augen“ ist übrigens auch auf der neuen Platte „EINS“ der Outbreakband zu hören. Das finde ich ziemlich großartig. Natürlich zum einen, weil es mich sehr freut, dass ich einen kleinen Teil zu diesem tollen Projekt beitragen durfte. Aber zum anderen, weil dadurch ein bisschen sichtbar wird, dass Worship eben keine Einbahnstraße ist und dass unser "Gott Liebeslieder singen" nicht trennbar ist, von der Liebe zu den Menschen. Vor allem zu den Menschen, die Unterdrückung und Unrecht erleben.