google-site-verification: google1c0678f2c6cc3374.html

Ikarus - Aus dem Tagebuch eines Bruchpiloten

Prolog:

Ich kaufte dein Buch.

Hab‘ deinen Workshop ebenfalls besucht. 

Denn dein viel versprechender Titelschriftzug klang ehrlich gesagt schon ganz schön gut:

„In 7 kurzen Schritten zum Höhenflugspilot“  

 

1.

Ich stand vor dir

mit vor Staunen großen Augen. 

Du warst der Kapitän – 

warum sollt‘ ich dir nicht glauben? 

Du hast mir gezeigt, 

wie man die Federn verleimt. 

Wie die Aerodynamik dem Ganzen dann Leben verleiht. 

Im Grunde sei alles ganz leicht, 

(aber doch nicht so leicht, dass JEDER es peilt), 

nur ne Frage der Zeit

bis meine geweihten Füße

dem Staub der gefallen Welt

schwebend enteilen. 

 

Es klang so gut,

als sie mir rieten, 

ich solle den Adler imitieren, 

so dass ich übersah: 

Menschen misslingt meist der Versuch des Fliegens. 

Angeblich würde alles auch in diesem Handbuch stehen, 

und wenn zweifelnden Gedanken kämen, 

sollt‘ ich sie einfach ignorieren. 

Sie hätten sonst das Potenzial

den Rückenwind zu stehlen. 

 

2.

Abgehoben von der schmalen Startbahn. 

Abgehoben.

Bis ich nicht mal mehr wahrnahm, 

wie abgehoben ich war, 

nicht zu verstehen, 

dass auf dem schmalen Weg zu gehen,

kein Synonym ist für extrem engstirniges Sehen. 

 

Wunderschöne Wolkenwelt.

Der Horizont scheint greifbar.

Nichts, das mich noch am Boden hält. 

Ab hier ist alles leichter. 

Als ich mich im Höhenflug im Schatten seiner Flügel

In immer höhere Höhen hob. 

 

Wolkendecken durchbrechend.

Hin zur Sonne ausstreckend. 

Denn zwischen den Zeilen, 

(auch wenn sie es allzu fleißig verneinen), 

stand fest wie ein Gesetz:

Je höher desto besser. 

 

Und ich flog zu euch empor. 

Kamm immer dichter.

Weil ihr mir versichert, 

euer Leuchten sei eine Reflexion des Glanzes

vom Vater der Lichter. 

 

3.

Zu nah am Licht

begannen meine Flügel zu schmelzen.

Ja, es stimmt.

Lichtreflexionen auf Spiegeln helfen

häufig mich selbst zu erkennen. 

Bis wohlig warme Sonnenstrahlen

zu Hitze werden und mir die Flügel verbrennen. 

Der Hitze eurer kombinierten Strahlen

hält mein hemdsärmeliger Flugapparat

nicht mal ansatzweise stand. 

 

Bis der Sonnenstrahl mich trifft

und hart in meine Flügel sticht. 

Langsam – doch beständig unaufhaltsam

lösen sich die Federn ab, 

die bis dahin mein Halt waren. 

 

In die Luft schlagen.

Verzweifeltes Rudern.

Nicht nach oben, nach vorne, 

dafür umso schneller nach unten. 

 

Schockierte unsortierte Gedankenhypothesen

flackern in mir auf – mich auf den Absturz hinbewegend:

Was wenn das Licht der Welt

die Welt verbrennt? 

Anstatt dass es Helligkeit und Wärme verschenkt? 

Denn mit „Salz und Licht sein“ war vermutlich doch niemals Höllenfeuer gemeint, 

Leichtfeuer der Hoffnung vielleicht

wie mir scheint, 

aber kein Flammeninferno, 

in das man all diejenigen schmeißt, 

die nicht bei jedem Komma des Dogmas

Zustimmung

schreien. 

 

Weißt du was? 

Ich glaube, es geht gar nicht darum, was du weißt.

Und falls doch, 

will ich lieber gar nicht wissen, was du weißt, 

wenn man durch dieses Wissen

Fliegenden die Flügel von den Rücken reißt. 

 

 

4.

Geblendet von viel zu viel Licht,

seh ich nicht mehr, wo ER ist,

wer ich bin und warum nicht. 

Geblendet und verbrannt von zu viel wohl gemeintem Licht – 

falle ich.

 

Und ich falle.

Ich falle! 

Falle!

Bitte fangt mich nicht auf! 

 

Lasst mich fallen!

Mich fallen! 

Fallen!

Den Absturz nehm‘ ich in Kauf. 

 

Denn er hat seinen Engeln befohlen über mir, 

proklamier

ich gequält mit dem lächerlichen Rest meiner Zuversicht.

Und weißt du was, 

selbst wenn nicht, 

stürz ich ungebremst in den Ozean, 

der das Meer seiner Liebe ist. 

 

Epilog:

Sollte wirklich irgendjemand diese Quelle reflektieren, 

führt das zu dem Schluss der Vernunft, 

dass irgendwo am Ende des Tunnels

das eigentliche Licht sein muss. 

Gnade und Frieden.

Auf der Suche nach Liebe.

Gezeichnet

Ikarus

 

Ich mag die griechischen Sagen und Mythen sehr gerne. Ich habe vor einer Weile die Sagen des klassischen Altertums von Gustav Schwab gelesen. Daran musste ich wieder denken, als folgenden Song von den großartigen "Someday Jacob" gehört habe (übrigens großartiges Album, das man unbedingt gehört haben sollte). Das passte irgendwie gut zu Gedanken, die ich hatte, aber bis dahin nicht so recht formulieren konnte. Daraus ist dann das Ikarus Gedicht entstanden. 

Ich möchte noch gerne ein Buch und einen Song empfehlen, die ebenfalls auf Geschichten aus der griechischen Mythologie basieren: 

Du selbst bist die Antwort - C.S. Lewis (basiert auf der Sage von Amor und Pysche

Beat of her heart  - Gungor (basiert auf der Sage von Orpheus und Eurydike

Obwohl hier jetzt schon viele Musik Empfehlungen drin waren, gibts natürlich noch am Ende den Soundtrack der Woche: