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Science Fiction, Theologie und Physikhass

Der Weg zu Heute ist morgen schon gestern Teil 1

In der Schule gab es zwei Fächer in denen ich so richtig scheiße war. Nenn es Faulheit, Dummheit oder such die Schuld beim Lehrer - ich habs einfach so gar nicht kapiert: Mathe und Physik. Physik, ey! Wegen diesem bescheuerten Fach wäre ich in der 7. Klasse um ein Haar sitzen geblieben. Ich musste sogar so eine nervige Nachprüfung machen. Was theoretisch bedeutet, dass ich die Sommerferien damit verbringen würde bei strahlendem Sonnenschein Physikbücher zu wälzen. Praktisch aber eher doch nicht, was dazu führte, dass ich wegen Physik vom Gymnasium zur Realschule wechseln musste, um das Schuljahr nicht wiederholen zu müssen. Unbewusst also mein Selbstversuch zum Thema Kausalität. Physik, ich hab dich hart gehasst! 

Dann sitze ich im Juli 2015 in so einem hübschen Holzferienhaus in Dänemark. Mitten in den Dünen und lese ein Buch, das mich dazu bringt über meinen Hass zu Physik nochmal heftig nachzudenken. „Mit dir. Für dich. Vor dir. Was Gott ist. Und was nicht von Rob Bell. Das Buch bekam ich vor dem Urlaub in die Hand gedrückt und hat eigentlich nur deshalb noch einen Platz im Koffer gefunden, weil ich bis kurz vor knapp vergessen hatte mich mit anderer Urlaubslektüre einzudecken. „Wenn man sich erstmal durch das erste Drittel kämpft, wo er so viel über Astrophysik schreibt, wird’s hintenraus ganz gut“, war ich von jemandem vorgewarnt worden. Und Alter, lag der falsch! Gerade dieser Anfang hat mich so richtig in den Bann gezogen. Wahrscheinlich waren das größtenteils Dinge, die jedem, sowieso längst klar waren, der nicht wie ich so ein Hass Verhältnis zum Schulfach Physik entwickelt hat. Zum Beispiel die Entfernung der Sterne und wie lange deren Licht braucht, um auf unserem Auge anzukommen. Dass das mitunter so lange ist, dass wir gar nicht so sicher sein können, ob der Stern gerade tatsächlich in diesem Moment noch existiert, wenn wir ihn in einer sternenklaren Nacht mit unserem Auge betrachten. Das passte auch perfekt zu dem noch recht frischen Eindruck, den der Science Fiction Blockbuster „Interstellar“ auf mich gemacht hatte.

Das Storytelling des Films spielt sehr stark mit der Relativität von Zeit und Raum und auch die visuelle Umsetzung wurde durch den Astrophysiker Kip Thorne beraten, um ein möglichst wissenschaftlich akkurates und plausibles Universum für den Film zu erschaffen. Er hat sogar ein Buch über die Wissenschaft hinter dem Film geschrieben (Ich habs gelesen - wie nerdig kann man denn bitte sein?).

Ich staune mehr denn je, wenn ich dieses riesige, atemberaubende und komplexe Kunstwerk des Universums betrachte und mich dabei frage, was dieses Kunstwerk über seinen Künstler erzählt? Und ist angesichts dessen nicht vieles auch ganz schön egal, worüber wir uns so gerne in die Haare kriegen. Wie groß, wie komplex, wie Gehirn verknotend allein schon das Kunstwerk ist - wie kann ich mir da denn bitteschön jemals einbildet haben den Künstler zu kapieren? Fand ich im ersten Moment übrigens mehr erschreckend als ermutigend diesen Gedanken. Weil das irgendwie ja auch Kontrollverlust heißt.  

Heute ist morgen schon gestern ist deshalb ein bisschen wie ein großes Puzzle aus diesen ganzen Gedanken. Es sind laut ausgesprochene Ideen, die versuchen eine Balance zu finden zwischen Wissen und Glauben. Zwischen diesem riesigen, den Verstand zum explodieren bringenden Wesen auf der einen Seite und einem Gott, der Mensch wird, um mir nah zu sein auf der anderen. Zwischen Vertrauen und Zweifeln. Denn, die kommen ehrlich gesagt ganz schön oft und ziemlich schnell. Bei mir ist das zumindest so. Und ich bin mitten dabei sie genauso schätzen zu lernen.  

to be continued...

PS. Das hier sind noch zwei Bücher, die ich sehr empfehle zum weiterlesen und weiterdenken: 

Eine kurze Geschichte der Zeit  - Stephen Hawking

Die Zeitfalte - Madeleine L'engle